Omi: Meine neue Heimat

Hallo Freunde,

Allerhöchste Eisenbahn daß ich mich mal wieder melde, sonst denkt Ihr noch ich bin unter die Räder gekommen.

Es ist so viel passiert im letzten Jahr daß ich gar nicht recht weiß wo ich anfangen soll. Nach meinem Auszug aus dem schönen Haus mit Garten wohnten Stefan und ich ja zunächst in einer Dachwohnung, einige Strassen weiter.
Schon bald war allerdings unübersehbar daß sich große Veränderungen anbahnten. Die Wohnung war nur mit dem nötigsten eingerichtet (zum Beispiel mit meinen ganzen Spielsachen!), Silvia war gar nicht mit eingezogen und wenn Stefan mit Silvia telefonierte dann war immer von Norwegen die Rede. Anfang September fing Stefan dann plötzlich wieder an Kisten rauszuholen und zu packen. Da habe ich vorsichtshalber auch mal einen Karton fertiggemacht, man weiss ja nie bei diesen Menschen.

Und richtig, eines schönen Septembermorgens kam Stefan plötzlich zu mir und ehe ich mich versah hatte ich ein Laufgeschirr an, dabei hatten mir meine Menschen doch versprochen daß ich das nie mehr tragen müsste. Dann erzählte Stefan mir daß wir nach Oslo fliegen würden. Da habe ich mich ganz doll gefreut, denn ich hatte ja schon von den Norwegischen Waldkatzen und den vielen vielen saftigen Mäusen dort gehört. Ich schaffte es gerade noch meine letzten Sachen in Stefans Reisetasche zu stopfen, dann steckte ich schon in der Transportkiste im Auto und fuhr mit Stefan nach Hamburg. Mein Karton war auch dabei.

Im Flughafen mußten wir durch die Sicherheitskontrolle und da habe ich gedacht, ich würde erschossen. Ich mußte aus der Kiste raus und durch einen Türrahmen ohne Tür gehen, hinter dem lauter grimmige Männer standen. Das war mir gar nicht geheuer. Ich war ziemlich froh daß ich gleich wieder in meine Kiste konnte. Kurze Zeit später saßen wir in einer großen summenden Röhre und ich dachte nun wäre es endgültig aus mit mir. Es begann ein infernalischer Lärm und es drückte ganz gewaltig in meinen Ohren. Ich muß wohl ziemlich gejammert haben, denn Stefan streckte die ganze Zeit die Hand in den Käfig um mich zu beruhigen. Na ja, nach einer Stunde war auch diese Tortur beendet und wir marschierten wieder durch so eine komische Tür. Dann mußte ich zur Einwanderungsbehörde und meinen Pass vorzeigen. Prima Arbeit hatte der Tierarzt geleistet, es gab keinerlei Probleme.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie sehr ich mich gefreut habe als plötzlich Silvia vor uns stand! Sie hat mich Stefan gleich aus der Hand genommen und zu dritt gingen wir zum Auto. Ja und dann kamen wir in meinem neuen Zuhause an. Eine supertolle Wohnung mit einem phantastischen Fenster, das nach Süden einen Ausblick über die ganze Stadt bietet. Ich wusste ja daß ich hier wieder ein Aussenrevier haben würde, aber so groß hatte ich mir die Sache denn doch nicht vorgestellt. Würde ein hartes Stück Arbeit werden, das alles zu kontrollieren.

Noch war die Wohnung ja praktisch leer, denn die ganzen Möbel (ausser meinen!) waren noch in Bremen. Das war auch ganz gut so, denn ich fand schnell heraus daß man auf dem Parkettboden ganz prima surfen konnte, vor allem wenn man vom Badezimmer aus 5 Meter Anlauf nimmt und dann im Wohnzimmer auf einem der kleinen Teppiche eine Vollbremsung macht. Und auch eine Wohnhöhle hatte ich schnell gefunden, leider durfte ich die Kommode dann am Ende aber doch nicht beziehen. Schade, die gefiel mir eigentlich ganz gut.

Kurze Zeit später kamen unsere ganzen Möbel und 80 Umzugskisten an. Das war vielleicht aufregend. Irgendwie haben meine Menschen einfach zu viel Zeugs. Ich habe die Wohnung gar nicht wiedererkannt, so vollgestellt war sie auf einmal. Aber bald war wieder alles wohnlich eingerichtet und ich habe genau gespürt: Hier wollen wir alle drei nicht mehr weg! Ich habe jetzt sogar eine eigene Matratze im Schlafzimmer, gleich über Silvias Kopfende!

Im Dezember wurde es auf einmal sehr kalt draussen und es fing an zu schneien. Das kannte ich ja von Bremen, aber hier waren es eben nicht 3 cm sondern 30 cm Neuschnee auf einmal und das war denn doch ein wenig zu viel für mich. Da schaute ja beim laufen nur noch die Schwanzspitze raus -wenn überhaupt! Inzwischen ist aber auch hier wieder der Frühling ausgebrochen. Und seit einigen Tagen kann ich auch mein neues Revier draussen in Besitz nehmen. Dabei habe ich schnell gemerkt daß ich hier Nachbarn habe. Auf dem Grundstück gibt es noch eine norwegische Waldkatze, die immer ziemlich leckeres Futter bekommt. Leider habe ich es noch nicht geschafft durch die Klappe zu ihrem Napf vorzudringen. Irgendwie geht die nicht auf wennn ich es versuche. Komisch, dabei habe ich genau aufgepasst wie "Boller" (das ist Norwegisch und heisst "Süßes Brötchen", hihihi) das macht. Aber wir gehen uns ohnehin lieber aus dem Weg. Ich spüre immer so ein komisches Ziehen im Nacken, wenn ich anderen Katzen begegne...

So bin ich nun also heil in meiner "neuen Heimat" angekommen und ich muß sagen es gefällt mir hier ausserordentlich gut. Kommt mich doch mal besuchen. Es ist sehr nett und die Sessel im Wohnzimmer sind prima Gästebetten wenn man sie aufklappt. Ich fang Euch auch eine von den leckeren Mäusen!

Bis bald, Eure Omi!