News: Februar 2009

Februar 2009: Wintermärchen

Unser erster norwegischer Winter im vergangenen Jahr war ja eher enttäuschend verlaufen. Allerdings war das wohl auch so ziemlich der schlechteste Winter aller Zeiten in Oslo. In diesem Jahr scheint nun das andere Extrem einzutreten. Der erste Schnee fiel im Oktober, war aber schnell wieder weg. Im Dezember blieb er liegen und es gab die ersten Skitouren. Nach kurzem Tauwetter über Weihnachten ging es dann im Januar richtig los. 50cm Neuschnee fielen in wenigen Stunden, 2 Wochen später noch mal ein halber Meter. Seitdem sind hier bei Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad Minus "Ski und Rodel gut"

Der Legende nach wird ein norwegisches Kind mit Skiern an den Füßen geboren. Die Bestätigung dafür lässt sich derzeit auf dem Loipennetz in der Osloer Nordmarka beobachten. Jedes Wochenende wälzen sich zigtausende Osloer Familien mit Opa, Oma, Papa, Mama, Kindern, Pulka und Hund über die hervorragend präparierten Skiwege und ergiessen sich in die tief verschneite Landschaft und die Ausflugslokale. Das Loipennetz umfasst allerdings auch mehrere 1000 Kilometer, die alle miteinander verbunden sind. Es schluckt die Mengen an Skiläufern daher ziemlich gut. Für Mehrtagestouren muß man derzeit allerdings die Plätze in den Hütten von "Den Norske Touristforeningen (DNT)" übers Internet lange vorreservieren.

Auch in den alpinen Skigebieten am Tryvannstornet, Varingskollen und Grefsenkollen sind die Schneeverhältnisse derzeit allerbestens. In Oslo lassen sich die Skigebiete zum Teil bequem mit der Stadtbahn erreichen. Die Abfahrtspisten am Tryvannstornet (unweit des Holmenkollen) liegen quasi mitten in der Stadt, womit Oslo wohl die einzige Hauptstadt mit innerstädtischen alpinen Abfahrtspisten ist. Dies machte sich sogar schon der Norwegische König Olav zunutze. Während der Energiekrise 1974 nutzte der langlaufbegeisterte König ganz selbstverständlich die öffentlichen Verkehrsmittel - sehr zur Verlegenheit des Schaffners, der nicht recht wusste ob er diesen Fahrgast auffordern durfte eine Fahrkarte vorzuzeigen. Der König hatte selbstverständlich eine gelöst und das Bild ist legendär.

Autofahren in der norwegischen Hauptstadt ist für den durchschnittlich schneeerfahrenen Mitteleuropäer derzeit eine Herausforderung. Der Winterdienst unterscheidet hier zwischen Strassen die hangparallel verlaufen und solchen die ein starkes Gefälle aufweisen. Erstere werden gelegentlich geräumt aber nicht gestreut, was bedeutet daß sie eine festgefahrene Schneedecke aufweisen. Letztere (zumindest die größeren) erhalten zusätzlich eine Ladung Split. Salz wird nur selten auf Hauptstrassen und Busrouten verwendet. Viele Strassen über die Fjellgebiete sind im Winter ganz gesperrt oder werden nur einmal täglich für einen Konvoi mit Schneepflug vorneweg freigegeben. Viele Autos sind hier im Winter mit Spikes ausgerüstet. Wir kamen bislang mit unseren Winterreifen klar, mussten aber gestern abend ausgerechnet auf unserer Hauseinfahrt doch noch Schneeketten aufziehen. Auch die Fahrräder (und ein echter Norweger fährt bei jedem Wetter Fahrrad!) sind im Winter mit den Nagelreifen ausgerüstet. Fußgänger sind ebenfalls stets mit Spikes zum überstreifen über die Schuhe ausgerüstet, denn mitunter ist es wirklich unglaublich glatt. Wir haben uns schnell an den typischen schlurfenden Gang gewöhnt, und daran die Fußspitze zuerst aufzusetzen wenn es bergab geht.

Seit heute morgen schneit es wieder recht heftig. Der Balkon ist nunmehr endgültig vollgeschneit. Die Balkontür können wir nicht mehr öffnen, wegen der "norwegischen Gardinen" (Eiszapfen) davor. Und die Nachrichten vermelden gerade daß die Schneedeponien der Hauptstadt voll sind und der Schnee aus den Strassen nicht mehr abgeräumt werden kann.

Die neue Winterbildergalerie

Nachtrag 23.02.2009: Jetzt ist es amtlich: Die Schneehöhe an der Wetterstation Blindern beträgt zur Zeit 67cm. Seit 1987 hatte Oslo nicht mehr so viel Schnee, und da waren es auch nur 4cm mehr :-)